Bei Konflikten mit dem Kind die Ruhe bewahren

"Wenn die Laune meines Kindes kippt, fällt es mir so oft schwer, ruhig zu bleiben, und mein Kind zu unterstützen.
Statt dessen passiert es mir, dass ich dann selber anfange nervös zu werden und Dinge tue, die ich bei klarem Verstand überhaupt nicht gut finde."

Foto einer nachdenklichen Frau mit dem Text "Wie schön wäre es, wenn ich mein Kind in Konflikt-Situationen mit mehr innerer Ruhe begleiten könnte, anstatt mich selber hilflos zu fühlen?"
Bei Konflikten mit dem Kind die Ruhe bewahren



So und so ähnlich kommen immer wieder Mütter auf mich zu und suchen nach Lösungen.



Vorweg:

Es gibt keine pauschale Lösung für soche Situationen.

Es ist stets ein herantasten und ausprobieren...


Aber dennoch gibt es einige Aspekte, die solche Situationen auffallend oft sanfter werden lassen.


Auf drei davon gehe ich in diesem heutigen Artikel näher ein - sie beziehen sich auf ganz konkrete Fragen von Frauen aus meiner Community.


Typische Fragen sind:

1) Was kann ich machen, wenn ich merke, dass ich schon mittendrin bin im Konflikt?


2) Wie kann ich es besser vorab spüren und vielleicht dann noch die Kurve kriegen?


3) Was kann ich machen, wenn es einen Konflikt mit meinem Kind gab und ich mich danach schlecht fühle?


Bevor ich auf diese Fragen eingehe, habe ich noch mal ein paar Erinnerungen für Dich, bitte lasse sie Dir so richtig auf der Zunge zergehen:

  1. Wir sind alle zum ersten Mal Mama/Papa

  2. Es gibt keine 'Bedienungsanleitung' für ein harmonisches Familienleben

  3. Mit dem Stärken unserer Achtsamkeit und Selbstfürsorge werden wir immer mehr zu Experten/Expertinnen in eigener Sache und können somit auch ganz wundervolle Vorbilder für unsere Kinder sein

Ist Dir das so bewusst gewesen?

Wie fühlt sich das an, wenn Dir klar wird, dass Du im Bereich "Familie, Umgang mit Deinen Kindern und Deinen eigenen Gefühlen" Lernende bist?

Klar: Wir sind die Erwachsenen und sollten die Verantwortung übernehmen.

Aber in Situationen, in denen wir uns total überrumpelt fühlen, rutschen wir im Gehirn aus der Chefzentrale ins Reptiliengehirn und dann können wir gar nicht mehr klar denken.


Doch dazu später mehr ;)


Was wir als Erwachsene viel besser können, als unsere Kinder - einfach weil uns so viel mehr Möglichkeiten dazu zur Verfügung stehen:

Wir können unser Handeln reflektieren und uns mit anderen darüber austauschen.


Und dann ganz bewusst - Schritt für Schritt - neue, sanftere, liebevollere Wege sowohl mit uns selbst, als auch mit unseren Kindern gehen.



Nun aber zu den oben aufgeführten Fragen:


Mutter liegt auf dem Sofa und hält sich die Ohren zu - Kind steht mit Topf-Deckel und Kelle über ihrem Kopf und macht "Musik"
Was kann ich machen, wenn ich schon mittendrin bin im Konflikt mit meinem Kind?


1) Was kann ich machen, wenn ich merke, dass ich schon mittendrin bin im Konflikt?

Dein Kind macht etwas, was Dich total auf die Palme treibt? - Du merkst, wie die Anspannung in Dir größer wird...


Im Gehirn passiert dann folgendes:

Der Empfangsbereich Deines Gehirns registriert:

"Das Kind will die Schuhe nicht anziehen, es ist schon 7:45 - wir müssten eigentlich schon im Auto sitzen."

Das ist aus irgendwelchen Gründen in der Vergangenheit schon mal schief gelaufen - und die Empfangszentrale stuft diese Situation als "Notfall" und "Bedrohlich" ein.

Die Botschaft wird aus diesem Grund nicht an die Chefzentrale des Gehirns gesendet, sondern ans Reptiliengehirn.


Das Reptiliengehirn kann allerdings im Prinzip nur drei Handlungen "aktivieren":

  • Flucht

  • Kampf

  • Freeze


Oft haben wir Mütter in solchen Situationen so einen riesigen Wunsch danach, einfach abzuhauen... aber das geht ja natürlich nicht, das Kind ist ja da.

Daher fühlen wir uns dann oft so ganz nebelig im Kopf und wie weggetreten (Freeze)... da das aber natürlich auch nicht dazu beiträgt, die Situation aufzulösen, kommen wir dann auf unsere eigene Art in den "Kampf-Modus" - ob wir nun schimpfen, oder die Schuhe unsanft über die Kinderfüße ziehen...


Irgend so was in der Art passiert dann.


Vielleicht magst Du genau jetzt einmal ganz kurz für Dich innehalten und gedanklich in eine solche Situation mit Deinem Kind hineingehen?

  • Wie fühlt sich das für Dich an?

  • Was würdest Du am liebsten tun?

  • Was passiert im schlimmsten Fall?

  • Was passiert im besten Fall?


Hier ist es so wichtig wieder in die Chefzentrale des Gehirns zu kommen.

Dies geht zum Beispiel sehr gut mit:

  • bewusstes Atmen (z.B.: 5x tief in den Bauch atmen und mit einem "PFFFFFF" wieder ausatmen)

  • Bestimmten Punkt an unserer Hand drücken/massieren (z.B.: den Punkt zwischen Daumen und Zeigefinger, die Punkte über der Augenbraue oder den Ohrknorpel)

  • Kontakt mit dem inneren Kind aufnehmen (Stell Dir vor, dass nicht nur Dein eigenes Kind gerade im Flur ist, sondern auch Du selbst als kleines Mädchen - Sieh, wie Deine Kleine vielleicht verängstigt in einer Ecke steht, oder viellecht auch keine Schuhe anziehen will... - Das hilft so sehr dabei, Deine gefühlte Hilflosigkeit abzulegen und Dich wieder handlungsfähig mit Deinem "Erwachsenen-Ich" zu verbinden)

  • etwas „rationales“ machen – zum Beispiel Dinge in der Umgebung zählen - Ein "Reptilien-Gehirn" kann nicht zählen, die Chefzentrale aber sehr wohl. So kommst Du wieder in den Teil des Oberstübchens, in dem Du bewusste Entscheidungen treffen kannst.

  • … … … …


Wenn Du auf diese Art einen Abstand zu dem aktuellen Konflikt hergestellt hast, fällt es Dir in der Regel schon viel leichter das Kind in seiner „Not“ und mit seinem „guten Grund“ für dieses Verhalten zu sehen und es durch seine Krise zu begleiten.

So ist es nicht mehr „Euer Konflikt“ – sondern
„Dein Kind in einer Notlage“.
Du gehst bewusst wieder in die „Erwachsenen-Rolle“ hinein.


Mutter liegt auf dem Rücken, sieht fröhlich aus, auf ihren angewinkelten Beinen liegt ein Baby, welches sie mit den Händen festhält
Wie kann ich den Konflikt mit meinem Kind vorher spüren und entsprechend intervenieren?


2) Wie kann ich es besser vorab spüren und vielleicht dann noch die Kurve kriegen?

Hier ist das A&O:

Die eigene Achtsamkeit zu schulen. Wir sind es in unserer Gesellschaft kaum mehr gewohnt uns mit "unangenehmen Gefühlen" auseinander zu setzen.

So oft versuchen wir diese Gefühle wegzudrücken und scheinbar unsichtbar werden zu lassen.

Wenn wir uns traurig, innnerlich leer, verzweifelt, einsam, wütend, nervös, gestresst... fühlen, ist der Griff zum Handy oder der Schokolade oder, oder, oder oft so viel leichter, als mit diesen Gefühlen für eine Weile still zu sitzen und ihnen "zuzuhören".


Weggedrückte Gefühle sind aber nicht weg, sie finden andere Wege, uns zu zeigen, dass etwas schief läuft.

Vielleicht fühlen wir uns ständig getrieben, können gar nicht richtig abschalten, fühlen uns wegen scheinbaren Kleinigkeiten genervt und gereizt, haben keinen richtigen Spaß mehr im Leben, fühlen uns irgendwie so "abgeschnitten".


Und wenn wir es noch länger versuchen von uns wegzuschieben, dann wird es sich auch irgendwann körperlich bemerkbar machen.

z.B.: Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, Infektanfälligkeit...


Unsere Kinder spiegeln uns das.


Die Kinder erinnern uns daran, dass wir diese Gefühle haben, auch wenn wir sie nicht wahrhaben wollen.


Das Tolle:

Wenn wir einen guten Draht zu unseren Gefühlen haben, merken wir in der Regel rechtzeitig, dass etwas schief läuft und wir können schon vorzeitig, bevor wir uns Reptiliengehirn rutschen, bewusst intervenieren und die Situation aktiv regulieren.


Nun gut. Ran an die Buletten...

Wie kann man denn üben, sich selbst seinen eigenen Gefühlen wieder anzunähern und hier achtsamer zu sein?


  1. Timer auf verschiedene Zeiten des Tages setzen => Mich fragen: Wie geht’s mir eigentlich gerade?

  2. Gefühls-Ampel: Grün - Gelb – Rot (Sobald ich meinen Zustand als "gelb" einstufe, mache ich etwas, was mir gut tut, was mir dabei hilft, wieder in Balance zu sein - da reichen oft schon Kleinigkeiten (schönes Lied hören, tanzen, … … …)

  3. Den „Schwierigkeitsgrad“ dahingehend, was ich von mir/dem Kind erwarte kleiner halten, wenn ich gerade nicht so viel Geduld habe (Komm, schwupp-di-wupp, schon sind die Schuhe über den Füßen)

  4. Gegenüber dem Kind aussprechen: „Hör mal, irgendwie geht’s mir gerade nicht so gut, ich glaub, ich brauch mal eine kleine Pause - sollen wir mal kurz ein schönes Lied hören und kuscheln?“

  5. Etwas mit dem Kind machen, was Euch beide entspannt (Lieblingsbuch aus der eigenen Kindheit lesen, Lieblingslieder aus der eigenen Kindheit hören…)

  6. Jemanden um Hilfe fragen, auch wenn er/sie gerade nicht körperlich anwesend ist – Kurz anrufen: „Du, ich merke, ich bin heute schon den ganzen Tag so gereizt, ich hab Angst, gleich zu explodieren…“


Das hier sind natürlich nur ganz einfache Inspirationen, aber vielleicht unterstützen sie Dich ja dabei, noch ein bisschen besser neue Lösungen für Eure konfliktreichen Momente zu Hause zu finden.


Frage Dich an dieser Stelle einmal:

Was hilft Dir persönlich sehr gut dabei zu entspannen?


Frau umarmt ein Mädchen und küsst es auf den Kopf - Beide sehen sehr zufrieden aus
Was kann ich machen, wenn es einen Konflikt mit meinem Kind gab und ich mich danach schlecht fühle?

3) Was kann ich machen, wenn es einen Konflikt mit meinem Kind gab und ich mich danach schlecht fühle?

Hier find ich es besonders wichtig, auch diese Situationen nicht so schwer zu nehmen. Natürlich tut es Dir leid und Du bist ja auf dem Weg, neue Lösungen zu finden. Wenn Du jetzt auch noch ein Gewand aus Schuld und Scham anziehst, wird es Dir in der nächsten brenzligen Situation noch schwerer fallen, locker und entspannt zu bleiben.


Sage Dir lieber:

"Auch wenn das jetzt nicht so gelaufen ist, wie ich mir das gewünscht hätte, ich habe mein bestes versucht - mehr war jetzt gerade in dieser Situation nicht möglich."


Was dann ein nächster Schritt sein sollte, ist mit dem Kind und/oder einer anderen nahe stehenden Person darüber zu sprechen. So vergräbst Du das, was passiert ist, nicht in einem tiefen Kellerloch, sondern gibst Dir die Chance, es nochmal zu reflektieren und beim nächsten Mal anders zu handeln.


Was natürlich auch sehr hilfreich ist, ist sich von einem Experten/einer Expertin helfen zu lassen. Oft reichen ganz kleine, richitg gesetzte Impulse, um Dein Kind zukünftig immer besser und aus einer inneren Ruhe heraus in Konflikt-Situationen begleiten zu können.


Für die Selbst-Reflektion hilft folgendes:

Wenn Du wieder „in der Chefzentrale“ des Gehirns bist, betrachtest Du die Situation noch mal nüchtern:

„Wann fing der Konflikt an? Wie hat er sich zugespitzt? Wie ist er geendet? - An welchen Punkten habe ich „Frühwarnzeichen“ bekommen, aber übersehen? Wenn ich nochmal in so eine ähnliche Situation komme: An welchen Stellen kann ich mit Leichtigkeit die Weichen anders stellen… … …“


Oder auch:

„Wie habe ich diese Situation in der Vergangenheit schon mal erfolgreicher bewältigt?“


Oder:

„Wie kommt Person XYZ damit klar?“ (Inspirierende Vorbilder)


Mach gerne dieses Brainstorming auch mit anderen Personen, von denen Du Dich unterstützt und gewertschätzt fühlst, zusammen.


So kommt man wieder in den lösungs-orientierten Modus und lädt seinen Verstand ein, Möglichkeiten zu finden, anstatt in der Opfer-Spirale weiter nach unten zu driften.


Auch hier gilt:

Besonders bei starken Emotionen benötigen unsere Kinder nicht perfekte Vorbilder, aber Vorbilder, die Lust haben zu lernen, wie es noch besser gehen kann.

Diese Strategien nehmen sie für immer mit in ihr Leben.

Du möchtest mehr über darüber erfahren, wie Du Dein Kind/Deine Kinder in Konflikten adäquat begleiten kannst?

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Dann guck Dich mal auf dieser Seite um:



In diesem Sinne

Her mit dem schönen Leben!


Deine Eva

*Trauma- und Heilpädagogik für mehr Lebensfreude*



Eva strahlt in die Kamera und hält die Hände einer anderen Person
Her mit dem schönen Leben!

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