Vom Festklammern an der Boje – und dem Wiederentdecken des eigenen Dampfers
- Eva Istas

- 6. Feb.
- 4 Min. Lesezeit

Manchmal kommen Frauen zu mir, meist Mütter von kleinen Kindern – Kindergartenalter, Grundschule, manchmal noch mit einem Baby auf dem Arm – und sie beschreiben ihr inneres Erleben mit erstaunlich ähnlichen Worten.
„Ich halte mich gerade irgendwie nur noch krampfhaft fest.“
Wenn ich dann ein Bild dafür finde, fühlt es sich oft so an:
Sie sind draußen auf offenem Meer. Keine ruhige See. Kein geschützter Hafen. Sondern ein weites, bewegtes Meer.
Und sie selbst klammern sich an einer Boje fest.
Die Boje im Sturm
Diese Boje ist kein Ort der Entspannung. Sie ist ein Notbehelf. Ein Gerade-so-noch-dran-Bleiben.
Die Wellen kommen von allen Seiten:
Eine Welle sind die Erwartungen von außen: Wie eine „gute Mutter“ zu sein hat. Was man alles können, fühlen, leisten sollte.
Eine andere Welle kommt aus der eigenen Geschichte: alte Verletzungen, ungelöste Themen, Erfahrungen aus der eigenen Kindheit, die oft erst dann wieder auftauchen, wenn man selbst Mama wird.
Dann gibt es Wellen aus Sehnsucht: nach der Zeit vor dem Mama-Sein, nach Freiheit, nach Leichtigkeit, nach Schlaf.
Weitere Wellen zum Beispiel: eigene Bedürfnisse, Partnerschaft, Konflikte, Überforderung, Hilflosigkeit im Umgang mit dem eigenen Kind...
Und zwischen all diesen Wellen festzustellen: Das hier ist mein Alltag geworden.

Viele merken gar nicht mehr, wie sehr sie sich anstrengen. Wie viel Kraft dieses Festhalten kostet. Weil es sich längst normal anfühlt.
Mein Schiff – aus der Trauma- und heilpädagogischen Praxis
Und dann gibt es da dieses andere Bild.
In meiner Arbeit stehe ich auf einem großen, stabilen Meeresdampfer. Ein Schiff, das über viele Jahre in der Praxis gewachsen ist. Aus Erfahrung. Aus Fachwissen. Aus eigener gelebter Geschichte mit Klientinnen, aus Trauma- und Heilpädagogik, aus Körperwissen, aus Nervensystemarbeit – aus all dem, was sich in der Arbeit bewährt hat.
Dieses Schiff ist ruhig. Nicht, weil es keine Stürme kennt – sondern weil es gelernt hat souverän, gelassen, kreativ und umsichtig mit ihnen umzugehen.
Und vor allem: Es hat Platz.
Platz für Menschen, die gerade nicht mehr alleine schwimmen können.

Der erste kleine Schritt
Wichtig ist mir dabei immer: Ich ziehe niemanden von der Boje.
Ich fahre nur nah genug heran, dass man mich sehen kann. Dass da überhaupt etwas anderes existiert als Wellen und Festhalten.
Und dann entscheiden die Menschen selbst.
Der erste Schritt ist oft winzig: ein vorsichtiges Übersteigen, ein kurzes Aufatmen, ein erstes Spüren von Ruhe im Nervensystem.
Viele merken erst auf meinem Schiff, wie angespannt sie vorher waren. Wie laut der Sturm eigentlich ist.

Die Entdeckung: Da gibt es noch mehr
Und dann passiert etwas Entscheidendes.
Von diesem Schiff aus wird sichtbar: Die Boje ist nicht alles.
Zu jeder Boje gehört ein Rettungsboot. Und – noch viel wichtiger – ein eigener Dampfer.
Natürlich ist auf dem eigenen Dampfer noch viel Raum für die eigene Entfaltung. Manchmal wirken die Schalter/Mechanismen unübersichtlich. Manche Funktionen sind unbekannt.
Aber er ist da, stabil, solide und tragend.
Gemeinsam lernen
Meine Arbeit besteht nicht darin, Menschen bei mir zu behalten. Sondern darin zu zeigen:
Schau, das hier ist möglich.
Dein Nervensystem kann lernen, sich zu regulieren.
Du hast Ressourcen.
Dein Blick kann weiter werden.
Und irgendwann gehen wir gemeinsam ein Stück auf ihren Dampfer.
Wir schauen:
Welche Räume gibt es schon?
Wer gehört zur Crew?
Wer kann im Notfall helfen?
Gibt es vielleicht sogar einen Notfall-Hubschrauber – Menschen, Orte, Strategien, die man sich bewusst herbeiholen kann?
Und ganz zentral: den Moment zu erkennen, in dem man im Alltag doch - aus alter Gewohnheit - wieder an der Boje hängt.
Nicht erst, wenn die Kräfte völlig erschöpft sind. Sondern früher.
Und dann findet man auch immer sicherer Wege, wieder auf den eigenen Dampfer zu kommen.
Vertrauen ins Leben
Dieser eigene Dampfer steht für etwas sehr Grundlegendes:
Vertrauen.
Nicht blindes Vertrauen. Sondern ein tiefes inneres Wissen:

Ich kann mich bewegen. Ich habe Handlungsspielraum. Ich bin nicht ausgeliefert.
Und irgendwann – oft ganz leise – entsteht etwas Wunderschönes:
Man sieht nicht nur sich selbst auf dem eigenen Schiff. Man sieht auch andere. Andere Dampfer. Andere Menschen.
Und man erkennt:
Da draußen ist ein Netz. Keine perfekte, ruhige See. Aber eine, in der Unterstützung möglich ist.
Vielleicht liest du das gerade von deiner Boje aus
Wenn du dich beim Lesen wiedererkennst. Wenn du innerlich nickst. Wenn du spürst, wie müde du vom Festhalten bist.
Dann möchte ich dich erinnern:
Es gibt andere Wege. In kleinen Schritten. In deinem Tempo.
Und allein, dass du das hier jetzt liest, heißt ja, dass du neugierig bist, auf das, was noch so alles für dich möglich ist.
Manchmal beginnt alles damit, dass man ein Schiff am Horizont sieht – und merkt:
Vielleicht muss ich mich hier unten ja auch nicht für immer festhalten und Salzwasser in die Nase bekommen.

Eine kleine Einladung
Wenn du magst, kannst du mir schreiben.
Ganz unverbindlich. Ohne etwas entscheiden zu müssen.
Manche Frauen buchen direkt ein kostenloses Infogespräch, um gemeinsam zu sortieren, wo sie gerade stehen und was ihnen jetzt gut tun könnte.
Andere schreiben mir erst eine kurze Mail und lassen sich auf die Warteliste setzen – einfach, um innerlich schon mal einen Haken zu setzen: Ich kümmere mich darum, wenn es für mich stimmig ist.
Beides ist willkommen.
Du musst keine großen Schritte machen. Es reicht, wenn du einfach kurz winkst. ;)
Ich bin hier und freu mich sehr auf dich.
🤗 Her mit dem schönen Leben!
Deine Eva


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